Vertrauen in das Leben

Immer wieder hört oder liest man, man soll Vertrauen in das Leben haben. Doch was heißt das genau? Was wäre dann anders, als wenn man keins hätte?

Da fällt mir eine Geschichte aus dem arabischen Raum ein, welche das, meiner Ansicht nach, sehr schön verbildlicht:

Es war einmal ein König, dessen engster Vertauter war sein Wesir. Dieser Wesir begleitete seinen König überall hin. Er hatte einen Spitznamen: „Eswirdschonfüretwasgutsein“. Diesen Namen hatte er, weil er jedes Mal, wenn etwas Negatives passierte, sofort genau das sagte: „Es wird schon für etwas gut sein!“

Im Grunde hatte er nur zwei Reaktionen, auf die Dinge, die ihm das Leben brachte. Bei den guten Ereignissen, sagte er: „Gott sei dank“ und bei den Negativen, kam obiger Spruch.

Eines Tages verletzte sich der König an einem Finger. Er hatte große Schmerzen, doch als der Wesir dies sah, kam nur über seine Lippen: „Es wird schon für etwas gut sein!“

Den König hatte dieser Spruch bis dahin nicht berührt, meist ging es um Dinge, die den Wesir selbst betrafen, und außerdem, im Nachhinein behielt er recht.

Doch diesmal, wo ihn doch so große Schmerzen plagten, ärgerte es ihn jedoch sehr. So sehr, dass er ihn ins Gefängnis werfen ließ. Dort murmelte der Wesir: „Es wird schon für etwas gut sein!“, und machte es sich bequem.

Dort blieb der Wesir nun die nächsten Tage, und der König unternahm vieles allein. Unter anderem ritt er in den Wald. Doch zu seinem Pech, wurde er von einer Gruppe von Waldbewohnern gefangen genommen. Die freuten sich, hatten sie nun endlich ein Menschenopfer gefunden, dass sie ihrer Gottheit opfern wollten, um sie zufrieden zu stellen.

Sie zerrten den vor Angst erstarrten König vor den Altar, aber genau als sie loslegen wollten, bemerkten sie seinen verletzten Finger. Da er also kein unversehrter Mensch war, konnten sie ihn nicht opfern, und ließen ihn laufen.

Der König war unendlich froh, mit seinem Leben davon gekommen zu sein und erinnerte sich an seinen Wesir. Er ließ ihn aus dem Gefängnis kommen, und erzählte ihm, dass er wieder einmal recht behalten hatte. Die Verletzung seines Fingers hatte ihn vor dem Tod bewahrt. Der Wesir lächelte. Doch eine Frage brannte dem König auf der Zunge: „Jetzt weiß ich, wozu meine Verletzung gut war, aber wofür war es gut, dass du im Gefängnis warst?“

Der Wesir lachte und antworte: „Wäre ich nicht im Gefängnis gewesen, hätten sie mich auch gefangengenommen, und da du verletzt warst, hätten sie mich geopfert!“

Vertrauen in das Leben heißt mit Leichtigkeit durch´s Leben zu gehen. Darauf zu vertrauen, dass alles für dich und niemals gegen dich geschieht. Es heißt, dass du das Positive dankbar als Geschenk annimmst, und im Schweren oder Schmerzhaften auch ein Geschenk siehst, das sich jedoch erst später offenbaren wird. Du weißt, dass du daraus lernen und gestärkt hervorgehen wirst, vorbereitet auf etwas Großes, das in der Zukunft auf dich wartet.

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